Search

PACBI an NWZ Zeitung: Keine Bühne für israelischen Geheimdienstler!



3. Mai 2019

Sehr geehrte Nordwest Zeitung,


Die PACBI-Kampagne (Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel) ist Mitglied des palästinensischen zentralen BDS-Kommittees (BNC). BDS ist die größte Koalition innerhalb der palästinensischen Zivilgesellschaft.

In dieser Funktion fordern wir Sie auf, der für den 16. Mai diesen Jahres geplanten Veranstaltung mit Arye Aruz Shalicar abzusagen und ihm keine öffentliche Bühne bei Ihrer Zeitung zur Verfügung zu stellen, wo er bereits regelmäßig politische Kommentare schreibt.


Shalicar ist ein Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstministeriums und Vorsitzender der Abteilung für internationale Beziehungen ebendort. Der berüchtigte Shin Bet, Israels interner Geheimdienst, wurde vom UN-Kommittee gegen Folter mehrfach aufgrund seiner gewalttätigen Verhörtaktiken gegen Palästinenser*innen verurteilt. Dem Shin Bet wurde bereits hunderte Male vorgeworfen, Folter praktiziert zu haben. Kein einziges Mal wurde dieses gerichtlich verfolgt.


Shalicar hat mehrere Jahre lang als Pressesprecher für die israelische Armee gearbeitet und sich in dieser Rolle als Propagandist für israelische Kriegsverbrechen spezialisiert. Shalicars Job war es hierbei, die wiederholten Kriegsverbrechen der israelischen Besatzungsarmee gegen die Palästinenser*innen im belagerten Gaza-Streifen zu rechtfertigen und zurechtzulügen. Diesen Verbrechen sind bereits tausende Männer, Frauen und Kinder zum Opfer gefallen.


Überfall auf Radiostation in Hebron/ Al Khalil


Shalicar war Teil der israelischen Propaganda-Bemühungen im Zusammenhang mit dem tödlichen Überfall des Militärs auf die Gaza Freedom Flotilla. Die Flotilla ist eine gewaltfreie Initiative der Zivilgesellschaft und versucht immer wieder die brutale Belagerung der zwei Millionen Palästinenser*innen in Gaza zu durchbrechen. Aufgrund dieser Belagerung bezeichnete der britische Premierminister David Cameron Gaza als „Freiluftgefängnis“. -Israelische Kommandoeinheiten töteten bei diesem Überfall neun Menschenrechtsaktivisten.


Palästinensische Journalisten sehen sich bei ihrer Arbeit permanent mit militärischen Checkpoints und Apartheidsmauern konfrontiert, die ihnen das Recht auf freie Bewegung rauben. Israel hat in der Vergangenheit wiederholt militärische Überfälle auf palästinensische Medienbüros durch geführt, Radiosender geschlossen und palästinensische Journalist*innen verhaftet, gewalttätig angegriffen, verletzt und getötet.


Der Jorunalist Yaser Murtaja kurz nachdem er von einem israelischen Scharfschützen beschossen wurde. Er starb wenig später. (Foto gepostet von Liam O´Hare, 6.4.2018)


Zwischen März und Dezember 2018 haben israelische Scharfschützen zwei palästinensische Journalisten getötet und 39 weitere mit scharfer Munition verletzt während diese über die Demonstrationen in Gaza berichteten. Eine unabhängige Untersuchungskommission der UN befand, dass es „ausreichende Gründe gibt, davon auszugehen, dass israelische Scharfschützen gezielt Jornalisten beschossen haben, obwohl sie deutlich sehen konnten, dass diese als solche zu erkennen waren.“


Im letzten Jahre forderten die Reporter ohne Grenzen den Internationalen Strafgerichtshof dazu auf, Kriegsverbrechen des israelischen Militärs gegen palästinensische Journalisten, die ihrer Arbeit nachgingen, zu untersuchen.

Wir bitten Sie, sich für einen Moment vorzustellen, wie es ist als Journalist unter solchen Bedingungen arbeiten zu müssen. Und dennoch tun palästinensische Journalist*innen genau dies. Jeden Tag. Damit sind sie Teil des palästinensischen Widerstands gegen Israels Unterdrückung.

Wir sind schockiert davon, dass ausgerechnet ein journalistisches Medium bereit sein sollte, einem israelischen Amtsträger eine Bühne zu verschaffen, dessen Job es ist Fakten willkürlich zu verzerren und schön zu reden, und der damit Israels brutalem Regime erlaubt, weiterhin Palästinenser*innen zu töten und ihre Menschenrechte zu verletzen.


Wir bitten Sie daher dringlich, für die allgemeinen Menschenrechte einzustehen und der Veranstaltung mit Shalicar am 16.5. die Bühne zu verweigern; ebenso bitten wir Sie, seiner verdrehten Version der Wirklichkeit in Ihrer Zeitung keinen publizistischen Raum mehr zu geben. Denn mit „Meinungsfreiheit“ hat das nichts zu tun. Aufhetzung zu rassistischem Hass und dessen Rechtfertigung dürfen niemals ein Anrecht auf solchen Rechtsschutz und entsprechende Veranstaltungsmöglichkeiten haben.


Hochachtungsvoll,



Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI)

PACBI wurde 2004 initiiert und trägt zum Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der Palästinenser*innen bei. PACBI wirbt für das Boycott israelischer akademischer und kultureller Institutionen, da diese in einer sehr engen Komplizenschaft mit Israels Weigerung stehen, den Palästinenser ihre international verbrieften Rechte zuzugestehen.


(Authorisierte Übersetzung aus dem Englischen Original. Die Fotos wurden unsererseits eingefügt, BDS Initiative Oldenburg. https://www.bdsmovement.net/news/palestinians-german-newspaper-nwz-dont-give-platform-israeli-official-justifying-war-crimes )



123 views

© 2018 by BDS Initiative Oldenburg. Danke für die Anregung durch die Werkstatt und Danke an die Designgöttin.